Nachtasyl

Nachtasyl (2005)

Nachtasyl
Rolle: Aljoscha
Regie: Hard Sturm
Genre: Theaterfilm, Drama
Weiterer Cast: Esther Schweins, Hans Peter Hallwachs, Clelia Sarto u.v.a
Erstausstrahlung: 19. Oktober 2006, arte
Ein primitives Wohnheim. Ganz unten am Bodensatz der Gesellschaft, zu irgendeiner Zeit, in irgendeinem Land und vielleicht doch gar nicht so weit entfernt vom Hier und Jetzt führen die Bewohner auf engstem Raum einen erbitterten Kampf ums Überleben. Keiner hat Arbeit, niemand eine Zukunft und die Miete, die ihnen das Vermieterpaar Walli (Esther Schweins) und Michael (Wolfgang Maria Bauer) abknüpfen, können längst nicht alle aufbringen. Nur wenige wie der sich prostituierende Aljoscha (Max Riemelt) versuchen noch, ihrem Elend zu entrinnen. Andere wie der Schauspieler (Uwe Karpa) haben längst ihren Verstand verloren, flüchten sich wie Nadja (Clelia Sarto) in absurde Tagträumereien oder wie Pepe (Aleksandar Jovanovic) in den Suff. Unbeachtet von allen, sogar von ihrem eigenen Mann, stirbt Anna (Eva Herzig) im gleichen Raum. Die Gefühle sind verkümmert.

Was den Bewohnern bleibt, ist die ins Unterbewusste verdrängte Erkenntnis, dass die wahre Liebe nicht greifbar, die adlige Herkunft der Gestrandeten unbedeutend ist und der Traum vom umjubelten Schauspielerleben nur solange hält, bis das letzte Glas geleert ist. Das scheinbare Gleichgewicht, der Kreislauf der nur leise angedeuteten Berührungen und der impulsiv und gewaltsam geführten Machtkämpfe gerät erst ins Wanken als Luka (Hans-Peter Hallwachs) im Nachtasyl eintrifft. Seinen direkten Fragen und seiner Fähigkeit, die Situation zu analysieren, können sich die Bewohner nicht entziehen. Ihr Fluchtweg in die Illusion ist verstellt. Sie sind gezwungen ihr inneres, wahres Ich zu suchen, in der Hoffnung etwas zu finden, was sie schon lange verloren geglaubt haben: die Fähigkeit zu leben und zu lieben.